Die Einwände der Verbände
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) und die Deutsche Fahrlehrer-Akademie (DFA) begrüßen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zum Referentenentwurf die Öffnung für moderne Lehrformate. Die vollständige Abschaffung der Unterrichtspflicht versetzt sie nach eigenen Worten „in höchste Alarmbereitschaft“.
Ihr Kern: Es gehe nicht um Präsenzunterricht an einem bestimmten Ort. Es gehe darum, dass alle Fahrschüler verpflichtenden Unterricht bei einem ausgebildeten Fahrlehrer erhalten, bevor sie allein am Verkehr teilnehmen. Risikobewusstsein und die eigene Haltung im Straßenverkehr könne ein Selbststudium nicht vermitteln. Die Verbände fordern, die Unterrichtspflicht beizubehalten, gleich mit welchen Medien unterrichtet wird.
Der stellvertretende BVF-Vorsitzende Kurt Bartels sagte im Februar 2026 gegenüber der Rheinischen Post, viele Themen ließen sich nur im Präsenzunterricht vermitteln. Distanzunterricht habe schon in der Corona-Pandemie nicht zu besseren Ergebnissen geführt (zitiert nach ZDFheute, 12.02.2026).
Schon 2022 hatten BVF, DFA und MOVING gemeinsam erklärt: Digitalisierung in der Verwaltung und als Ergänzung zum Selbstlernen befürworten sie, rein digitalen Theorieunterricht lehnen sie ab (fahrschule-online.de, 08.02.2022).
Das Bundesverkehrsministerium begründet den Schritt anders. Fahrschüler lernten heute anders als früher; digitale Formate erlaubten, Inhalte im eigenen Tempo zu erarbeiten und zu wiederholen (Begründung zu § 3, S. 67).
Der Bundesrat bat in seiner Stellungnahme vom 10.07.2026 zu prüfen, ob Übergangsfristen für die Fahrlehrerausbildung in den Gesetzestext gehören. Der Entwurf verlagere Theorieinhalte in den digitalen Raum, regele aber nicht, wie Fahrlehrer darauf vorbereitet werden (BT-Drs. 21/7404, Anlage 3, Ziffer 22). Die Bundesregierung will das prüfen; die Fahrlehrer-Ausbildungsverordnung werde derzeit überarbeitet (Anlage 4, zu Ziffer 22).
Die Positionen aller Beteiligten, mit Datum und Quelle, stehen im Beitrag Positionen zur Fahrschulreform 2027: Ziele und Einwände.